das morgentau glitzert noch auf den wiesen, hunderttausend kleine kristalle, die sonne wiederspiegelnde wasserperlen, klammern sich an grashalme, brechen das licht in einem regenbogen.
nachts sammelte ich die worte, während des morgengrauens ordnete ich sie, bei morgenröte schrieb ich sie nieder, kotze sie jetzt - nur wenige stunden danach - wieder aus. stets verschlucke ich mich an meinen eigenen worten und gedanken, übergebe mich, ersticke beinahe. "ich träume die worte, die mein mund nicht zu denken wagt."
ich bin jetzt in der fremde, weit weit weg, und warte doch stets darauf dich zu sehen. schaue bei jedem bahnhof hoch, schaue aus dem fenster, senke den blick dann wieder enttäuscht. ein junges mädchen, das sich am boden sitzend die fingernägel lackiert, ein toter vogel auf dem bahnsteig. ein grossvater, der nach der hand des kindes greift, ein paar, das sich küsst, japanische touristen, ein junger mann, der mit geschlossenen augen musik hört und seine rote gaulloise raucht. - so wie du
während der fahrt öffne ich das fenster und halte mein gesicht in den fahrtwind. weiss nicht, ob die tränen vom kalten wind kommen oder aus dem herzen. in der ferne ist eine regenwolken zu sehen. horizontregen.
habe die morgenröte betrachtet, das abziehen der wolken gegen mittag beobachtet, die warmen sonnenstrahlen auf der haut gespürt, regentropfen gezählt, fahre jetzt in die dunkle nacht hinein.
aber du bist noch immer nicht da.
- SCUOL, 18.09.2012

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